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18. Austria Triathlon Podersdorf

Boris's persönliche Erfahrungen in der Königsdisziplin der Ausdauersportler -
die IRONMAN Distanz (27.8.2005)!

Worte von Boris Treml

Nachdem mir Paul heute gesagt hat, dass man nur nach dem ersten IronMan einen Bericht schreibt und nur er bis dato einen geschrieben hat, möchte ich auch einen schreiben.

Das Erlebte ist noch so nah.
Auch die Tage vor diesem Bewerb. Der Höhepunkt der Angst war sicherlich damit erreicht, dass ich mir eingeredet habe, dass mit meiner Leiste etwas nicht in Ordnung sei. Quasi der „eleganteste“ Weg raus aus dem Unterfangen Langdistanz. Aber leider, die Ärzte meinten nur banal, einen Leistenbruch könnten sie nicht finden und einem Start stünde somit nichts im Weg.
SCHEISSE, und jetzt?

Mir wurde sehr schnell folgendes klar: Ich bin noch nie 3,8 Kilometer geschwommen, bin zwar heuer schon weit mehr als 180 Kilometer am Stück gefahren, doch nie alleine und alles im Wind. Und dann kommt ja noch was, der Marathon. Das hab ich sowieso noch nie gemacht. Der mit abstand längste Lauf war ein 30er, und den hab ich noch gut in Erinnerung.
Gut im Sinne von: Oarsch ist es mir dabei gegangen, sehr oarsch.
Panik tat sich vor dem Event auf, das Vorhaben war nicht erklärbar.
Paul bombardierte ich nur mit „ich Scheiß mich an SM essen“, die Gedanken kreisten nur um den 27.08.

Ich fand dann doch ein Mittel: verharmlosen: Schau, Boris, fürs Schwimmen brauchst maximal 1,5 Stunden, brechen wirst da nix dabei, Radeln 6 Stunden, und dann bleiben fürs Laufen immer noch 8 Stunden übrig. Wennst willst, legst dich hin und schläfst, oder machst sonst was. Mit dieser Lüge hab ich gut gelebt. Die Angst wich und Freude kam auf. Freude auf den großen Tag, auf meinen Tag.

Am Mittwoch stand dann die letzte Trainingseinheit auf dem Programm. Kurz und hart, sehr hart war die Ankündigung. In der Mail zur Ausfahrt war auch zu lesen: Heute wird’s Tote geben…
Wir trafen uns also wie immer bei der Müllverbrennungsanlage. Ich hatte schon das Wettkampfmaterial mit, also meinen neuen Renner, Xentis (richtig montiert), Aufleger, einfach alles. Bis zum Donaufritzi wurde gebummelt. Ich dachte mir nur: Das ist wohl nicht die angekündigte Ausfahrt, übernahm die Führung um nach Klosterneuburg zu kommen.
Das Tempo wurde erhöht, erhöht und nochmals erhöht. Ich fuhr ziemlich am Anschlag. Keiner riss ab, und so waren wir auch ruzki zuzki in Klosterneuburg. Bei einer Kreuzung vernahm ich dann husten, schnaufen, spucken und nahm dies als Bestätigung der Form hin.
Mit Max fuhr ich noch im Windschatten eines LKW nach, und als ich das Tempo nicht mehr halten konnte, kam Burtl daher. Wie er das geschafft hat, ist mir nicht klar, fuhren wir doch um die 60 km/h. Die Ausfahrt als solches könnte man als knackig bezeichnen, und mir wurde das erste Mal klar, dass die Form stimmte, ich rechtzeitig zum Trainieren aufgehört hatte, und es passte.
Neben der Freude machte sich auch noch ein Vertrauen auf die Fähigkeiten breit.

Am Freitag kaufte ich noch die Verpflegung beim RLS, wobei die Verkäuferin nur meinte: Wo geht’s hin?? Beim Essen sah man es also auch, der hat was vor… (78 Euro für nix)

Und dann kam alles anders, doch ein paar hatten Recht:

Bei der TriMania war mir folgendes klar geworden: Beim Schwimmen hab ich die Fähigkeit, mich vollkommen abzustechen. Aber wirklich vollkommen. Ich bin zwar damals als Dritter aus dem Wasser gestiegen, wäre aber fast Erster neben der Fahrbahn gewesen, da das Geradeausfahren einfach nicht möglich war, peckt wie a Lusta. Gschossen eben. Das würde mir heute nicht passieren, das war mir klar. Umso mehr freute ich mich, dass ich nach dem Ende der ersten Runde folgenden Satz vom Sprecher hörte: „Hier kommt die erste Welle.“ Dadurch war mir klar, Oida, du bist vorne mit dabei. Etwas erfüllte mich auch mit Freude, nämlich die Tatsache, dass ich am Ende keine Geher mehr vor mir hatte, Mitstreiter, die nicht schwimmen, sondern die Tatsache nutzen, dass man im Neusiedlersee gehen konnte. Von denen war keiner mehr vor mir, das Training hat sich also bezahlt gemacht. Danke Rudi. Dann kam der Wechsel und ich konnte am Weg zur Wechselzone Thomas Hackner ausmachen. Mit Thomas verbindet mich, dass wir beide heuer unsere erste Langdistanz bestritten und am Dienstag vor der Arbeit gemeinsam schwimmen. Er finishte in 09:59 in Klagenfurt. Paul, Babara und Selma traf ich beim Wechsel zum Rad. über meine Schwimmzeit war ich sehr erfreut, und ich glaube, ich habe mich mit den Worten „jetzt geht’s los“ von ihnen verabschiedet.

Die erste Radrunde stand an. Im Hinterkopf hatte ich am Anfang nix, Puls 180. Dass das nicht die Gangart für die nächsten Stunden sein konnte, war klar. Erstes Ziel: Der Puls muss runter. Nach zirka einer halben Stunde hatte ich den Puls wieder in meiner Hand, und die Strategien gingen mir durch den Kopf. Erste Runde: langsam, essen, das Schwimmen verdauen Zweite Runde: etwas schneller Dritte Runde: zeig wasd kannst Vierte Runde: aufs Laufen vorbereiten Die Strategie wurde von Thomas nur belacht. Er sagte, das wollte er auch machen, und dann kam folgendes: hinhalten! Und ich hielt auch hin. Die erste Runde verging wie im Flug und Paul begrüßte mich beim Kreisverkehr in Podersdorf mit den Worten „du Wüdsau“. Ich rechnete zwar mit „speib“, oder „quäl dich", aber „du Wüdsau", hab ich auch als Bestätigung aufgefasst. In der zweiten hatte ich einen kleinen mentalen Einbruch, es ging nicht mehr so, keine Ahnung, was da war. Wobei zu sagen ist, dass ich immer bei Kilometer 80 einen „Einbruch“ habe. Zu Beginn der dritten Runde kam mir Robert Wintner auf dem Rad entgegen und begrüßte mich. Er war also auch da, die Motivation war da, und mir kamen die Worte vom Hermann in Erinnerung. Er lässt den Puls beim Wettkampf nicht unter eine bestimmte Grenze fallen. Er sagte 160, ich dachte, 150 muss auch reichen. Dies führte dazu, dass ich weiter überholte und in Runde 4 zu einer Gruppe aufschließen konnte, die in den Runden zuvor immer nur am Horizont auszumachen war. In dieser Gruppe saß auch Günther Kanzler, den ich aus Theiß und Langenlois kannte. Beide hatten wir „Angst“ vorm Lauf, und bestätigten uns, dass wir lieber nochmals schwimmen, oder zwei weitere Runden Rad fahren würden…

Beim Wechsel zum Laufen wurde mir klar, dass meinem Traum sub 5 Stunden beim Radfahren erfüllt wurde. Rechtbehalten hat Hermann, es zahlt sich aus alles am Rad zu geben.

Tja und jetzt kommt der letzte Teil: Wie man mit Anstand stirbt, oder des gibt’s net, dass ana, der so rennt, vor mir is. (Jemand der bis zu diesem Zeitpunkt hinter mir war). Jetzt passierte, was Paul angekündigt hatte: Es ist nicht schön andauernd überholt zu werden. Es war mir aber wurscht. Ziel für den Lauf war: Ich wollte nicht gehen. Den ersten Marathon finishen und nicht dabei gehen. Das war das Ziel. Keine Zeiten, nur nicht gehen müssen. Ich wurde also überholt und überholt, und, ja, überholt. (Gerade berechnet: Nach dem Radfahren war ich auf Platz 29, um dann 34 mal durchgereicht zu werden.)
Bis Runde 4 hatte ich nicht daran geglaubt, dass das Unterfangen nicht gehen real wird, dann konnte mich nix daran hindern. Die Marathonzeit von 4:24 ist nicht berühmt, aber das Nicht-Gehen schon. Besonders erwähnenswert ist Burtl: Er hat mich fast zwei Stunden begleitet, und jeder, der gern schnell Rad fährt, weiß, dass das auf einem Rennrad der Horror ist, für mich wär es einer. Danke Burtl.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die für mich an der Strecke waren, die mich im Ziel begrüßt haben. Und ganz besonders, wie gesagt, bei Burtl, Paul und Babara, die von der ersten Minute dabei waren. Danke Papa, wärst nur in Theiß gewesen, und hättest den Buben in den Arsch getreten. Und bei meiner Schwester Selma. Sie wollte zwar nach dem Schwimmen wieder ins Bett (kam heim, als ich aufstand) konnte das aber dann doch nicht, vielen dank Selma. Es ist bemerkenswert: Wenn Emotionen mit im Spiel sind, wird ein fader Triathlon dann doch hoch spannend.


Boris Treml

 

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Finisch in 10:24h

 

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